Schloss Ludwigsburg

1707/13 Zeitgemäße Planungen

Kaminachsen im Gardesaal

Das Erdgeschoss des Fürstenbaus ist vollendet, als Landbaumeister Jenisch 1707 durch den auswärtigen Architekten Johann Friedrich Nette abgelöst wird. Nette schafft den architektonischen Rahmen für den gesteigerten Rang und Anspruch des Herzogs und schreckt auch vor dem Abbruch der erst kürzlich fertiggestellten Flügelbauten nicht zurück, um seine einheitliche Neuplanung zu verwirklichen.

Ansicht des Schlosses von Süden, Nette 1709/12

In einer Kupferstichsammlung macht Nette die Pläne der Schloss- und Gartenanlagen bekannt: eine zeitgemäße Dreiflügelanlage mit hufeisenförmigen Grundriss. Die locker durch Galerien miteinander verbundene Bauten haben den Charakter eines Jagd- oder Lustschlosses, das nicht für einen längeren Aufenthalt des Hofes eingerichtet ist. Mit Nette kommt modernste Barockarchitektur, die er wohl am preußischen Hof kennengelernt hatte, nach Ludwigsburg.

Ausschnitt aus dem Stuck von Tommaso Soldati und Donato Guiseppe Frisoni

Die einheimischen Künstler sind den vielfältigen Dekorationsaufgaben nicht gewachsen. So kommen die italienischen Stukkateure Diego Carlone und der zuvor in Prag tätige Giovanni Donato Frisoni nach Ludwigsburg. Von Frisoni stammen die Stukkaturen mit der Büste des Herzogs im ersten Geschoss des Fürstenbaus.

Deckenfresko im Gardesaal: Huldigung Württembergs

Die Dekorationskünstler statten die Marmorsaletta, das Lackkabinett und das Boiserienkabinett aus einheimischen und exotischen Hölzern aus. Auch zahlreiche Maler, wie Johann von Steinfels und Lucca Colomba, bringen neue Dekorationsideen aus Böhmen und Italien nach Ludwigsburg.

Ordenssaal mit Dekoration im Empirestil

Der 1709/11 erbaute Ordensbau ist der westliche Flügel der Anlage und nimmt im Obergeschoss einen Festsaal auf, den man bislang vermisst hatte. Danach entsteht der gegenüberliegende Riesenbau mit einer prächtigen Treppenanlage, da im Fürstenbau die geeigneten Räumlichkeiten für das Empfangszeremoniell fehlen. Nachdem zunächst eine Kapelle und Appartements geplant sind, nimmt der Bau einen weiteren Festsaal auf.

Ansicht des Schlosses von Norden, Nette 1709/12

Nette 1712/13 legt neue Pläne für eine großzügige Erweiterung des Schlosses vor: Eingangstürme mit Glockenspielen und Querbauten sollen die Seitenflügel nach Süden abschließen. Tatsächlich erbaut werden nur zwei quadratische Pavillons beidseits des Fürstenbaus. Die imposant geplanten Gartenanlagen der Nordfront kommen nur in Ansätzen zur Ausführung.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook