1724/33 Gewaltige Vollendung
Herzog Eberhard Ludwig fasst den Entschluss, sein Residenzschloss grundlegend umzugestalten. Zunächst wird ein Umbau des Fürstenbaus ins Auge gefasst. Frisoni veröffentlicht diese Pläne erst 1727 in einem Kupferstichwerk. Zu diesem Zeitpunkt sind sie bereits überholt, denn der Herzog setzt ein gewaltiges Neubauprojekt durch: Das Neue Corps de logis soll den Ehrenhof nach Süden abriegeln und das Schloss zur Vierflügelanlage ergänzen. Die Bauleitung obliegt Paolo Retti.
Am 10. September 1724 betätigen sich der Herzog, seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz und wichtige Hofchargen mit Kelle und Mörtelkübel und legen den Grundstein für das Neue Corps de Logis. 1727 ist der Bau bereits unter Dach. Die südliche Gartenseite ist die wichtigste Schauseite des Schlosses. Die direkte Verbindung der Beletage zum Garten und andere Details gehen auf moderne französische Vorbilder zurück.
Theater- und Festinbau (1725/28) sind selbständige Gebäude. Sie liegen hinter den Flügelbauten und sind auf die Pavillons am Fürstenbau bezogen. Der Festinbau erhält sogar Wasserleitungen, um bei höfischen Festen Brunnen installieren zu können.
Zwei Verbindungsgalerien schließen 1727/29 den neuen Trakt an den vergrößerten Hof an. Carlone malt 1731/33 an der Decke der Ahnengalerie das Fresko „Huldigung der Wissenschaften und Künste an den Herzog“. Dem Freskanten war in diesem Zusammenhang sicher die Szene mit Alexander und Apelles wichtig: Der antike Herrscher übergibt seinem überragenden Maler eine schöne Favoritin.
Unmittelbar nach dem Tod des Herzogs (1733) werden Frisoni und Paolo
Retti verhaftet, da man Veruntreuung der herzoglichen Gelder vermutete
und die einheimischen Baumeister sich in der Auftragsvergabe und
Entlohnung zurückgesetzt fühlten. Tatsächlich stellen die italienischen
Künstler in Ludwigsburg, die von den Auftragsvergaben ihrer Landsleute
profitiert hatten, die riesige Kautionssumme. Die wichtigsten Räume des
Neuen Corps de logis sind fertiggestellt.