Anekdoten

Thron und Baldachin

Die Mätresse und der Herzog
Aus einem Bericht Carl Eduard Vehses über "Die Höfe zu Württemberg" kennen wir folgende Geschichte über die Gräfin Wilhelmine von Grävenitz, Mätresse des Herzogs Eberhard Ludwig:

"Man mußte sehen, wie sie mit der größten Frechheit der Gemahlin des Herzogs spottete, den schwachen und kränklichen Erbprinzen mißhandelte, den Herzog durch Nebenliebschaften hinterging, alles gouvernierte und dirigierte. Alle Abende war Gesellschaft in ihrem Hause, wobei der Herzog und der Hof erschienen, es herrschte die strengste Etikette. Unter dem Vorwand von Unpäßlichkeiten empfing sie im Negligé, während alle Damen im höchsten Staate erscheinen mußten."

Deckelvase

Der Herzog und die Damen
Wie erkannte man die Damen, denen Herzog Carl Eugen seine Gunst schenkte?

"Vermöge eines neuen Hofceremoniels, wurde allen Frauenzimmern, die nicht zu der Fahne des Herzogs geschworen hatten, untersagt, blaue Schuhe zu tragen, und im Gegentheil allen denen, die sowol jetzo als auch künftig würdigen würden, ihm ihre Ehre aufopfern zu dürfen, bei der höchsten Ungnade anbefohlen, niemals ohne dieses Unterscheidungszeichen zu erscheinen." (Aus einem Hofbericht von 1765.)

"Diana beendet die Jagd"

Tafelluxus und Augenfreuden
Die Tafel stellte einen etlich und 30. Schuh hohen Tempel der Jagd-Göttin Diana vor, und bestunde aus 4 Säulen, mit darauf befindlichen künstlichen Statuen; auf ermeldten Säulen ruheten 4 Schwibbögen, deren jeder mit grün Bindwerk, Festonen, Vasen, und Jagd-Trophäen, auch Waldhorns,worinn der Fürstl. Württembergische Jagd-Orden hienge, ausgeziert war. Ober diesem Tempel sahe man die Diana in Lebens-Große, in einer Glorie auf beeden Seiten durchscheinend gemalt. Und noch höher hienge ein groser mit vielen brennnenden Wachs-Lichern illuminirter silberner Cron-Leuchter. So war auch die ganze Machine mitunzählich vielen gefärbten Kugeln, und brennenden weissen Wachs-Ampeln beleuchtet. (...)

Das Confect auf dieser figurirten tafel war nach obbeschriebener Vorstellung eingerichtet, und zeigte insbesonderheit die Göttin Diana in einem mit 8 Löwen bespannten Triumph-Wagen, gegen einen Tempel zufahrend, mit allerhand Jagd-Trophäen, Devisen und anderen dergleichen Auszierungen."

Aus: Friedrich Wilhelm Schönhaar: Beschreibung der Hochzeit von Herzog Carl Eugen von Württemberg mit Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, 1748

Justinus Kerner

Mut und Naschwerk
Der schwäbische Dichter Justinus Kerner (1786-1862) ist in Ludwigsburg geboren. In seinen Kindheitserinnerungen "Bilderbuch aus meiner Knabenzeit" beschreibt er eine Begegnung mit Herzog Ludwig von Württemberg. Der junge Kerner gehörte einer Landmiliz an, die über hundert Knaben zählte. Man war mit einer Trommel ausgerüstet und bekam noch eine "schöne gelbe und blaue Fahne von Seidenstoff, mit goldenen Franzen" geschenkt. "Sobald wir dieses Geschenk erhalten hatten, kommandierte ich das Korps in das Schloss und vor des Herzogs Speisesaal, und ließ dem Herzog durch den Hofdiener, der uns empfing, sagen: er solle doch herauskommen und unsere Fahne sehen. Der gute Herzog gab hierauf den Befehl, uns alle in den Saal zu führen. Wir marschierten um die Tafel und stellten uns dann hinter dem Herzoge auf; dieser nahm die Fahne, gab sie den Anwesenden an der Tafel umher und nahm mich auf seinen Schoß, wo ich mit Zuckerwerk von ihm und der Herzogin überfüllt wurde; auch die anderen Helden erhielten Bonbons und sonstiges Naschwerk. Der Herzog entließ uns dann freundlich, und wir riefen: "Wir werden bald wiederkommen!" was auch noch öfters geschah.


Herzog Carl Eugen, Herzog Eberhard Ludwig und König Friedrich

Noch mehr Anekdoten über Herzog Carl Eugen, Herzog Eberhard Ludwig und König Friedrich gibt es hier.

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