Während sich bei der Vorstellung der Kulissenwechsel bei offener Bühne vollzog, blickte das Publikum zu Beginn noch auf den geschlossenen Theatervorhang. Bis heute hat er sich im Ludwigsburger Schlosstheater erhalten.
Im Zentrum schwebt Apoll, der Gott der Künste und Wissenschaften, auf einer Wolkenbank und grüßt, die Lyra haltend, die in das Reich der Musen Eintretenden. Zu seinen Füßen lagern die neun Musen, deren Anführer er ist. Besonders hervorgehoben ist Klio, die Muse der Geschichtsschreibung. Sie stützt sich auf einen großen Lederfolianten, dessen Rückentitel Thukydides als Autor nennt, den ersten großen Historiker der griechischen Antike. Es entsprach ganz dem humanistischen Geist der Zeit und dem Inhalt der aufgeführten Opern, dass die Überlieferung denkwürdiger Menschheitsgeschichte den Stoff für die Künste hergab und diesen vorangesetzt war. Das im Hintergrund rechts aufsteigende Dichterross Pegasus versetzt die göttliche Versammlung an den Musenberg Helikon.
Ganz versteckt enthält die Malerei des Vorhangs eine Huldigung an den herzoglichen Auftraggeber. Einer der Genien links neben Apollo trägt ein Notenblatt, auf dem die Initialen Herzog Carl Eugens zu sehen sind: „C:H Z:W“. So kündet das mit Noten und Blasinstrument versehene Genienpaar gewissermaßen vom permanenten Herrscherlob.
Wahrscheinlich ist der überaus virtuos gemalte Bühnenvorhang ein Werk Innocente Colombas, der mit kurzen Unterbrechungen von 1750 bis 1768 das Dekorationswesen an Carl Eugens Hoftheatern leitete.