Zwei Carel-Kommoden von der Restaurierung zurück
Für
die Ausstattung seiner zahlreichen Schlossbauten kaufte Herzog Carl
Eugen kostbare französische Möbel, die er auf seinen Reisen nach Paris
zum Teil selbst aussuchte. Hier – im Zentrum des Luxus – stöberte er in
„Boutiquen von Kostbarkeiten“ nach Seidenstoffen, Porzellan oder
Silbergeschirr, vor allem aber auch in „Boutiquen von Menuiseries“ nach
exquisiten Möbeln.
Dieser Bestand französischer Möbel wird ab 2004 erstmals geschlossen in
dem neu restaurierten Attika-Appartement des Ludwigsburger Schlosses zu
sehen sein.
Der 1998 erschienene Katalog „Die französischen Möbel des 18.
Jahrhunderts in Schloss Ludwigsburg“ aus der Reihe „Schätze der
Staatlichen Schlösser und Gärten“ stellt diesen wertvollen Bestand vor.
Zwei besondere Glanzstücke der französischen Möbelsammlung sind die beiden von Jacques-Philippe Carel durch Schlagstempel signierten Kommoden (Paris, um 1745/50), die – wie damals höchst beliebt – als Pendants gearbeitet wurden. Diese Rokoko-Kommoden ragen durch die Eleganz ihrer Linienführung aus dem üblichen Formenkanon der Zeit heraus. Der raffiniert furnierte Möbelkorpus hat geradezu skulpturale Qualitäten. Das kostbare Beschlagwerk erscheint nicht – wie sonst üblich – als hinzugefügte Dekoration, sondern es unterstreicht die Linienführung und plastische Durchbildung der Möbel. Besonders raffiniert sind die Griffe der beiden Schubladen „versteckt“, sie zweigen vom kurzförmigen Beschlag der Front als Blattmotive ab.
Für die Neuaufstellung waren konservierende und restauratorische Maßnahmen am Kommodenpaar notwendig. Die dazu durchgeführte Voruntersuchung zeigte, dass bei früheren Überarbeitungen, vermutlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, tiefgreifende Veränderungen an beiden Möbeln durchgeführt wurden. Dies waren großflächige Furnierergänzungen in einer nicht passenden Holzart sowie die vollständige Abnahme und Erneuerung der Lackbeschichtungen mit einem modernen Kunstharzlack. Der Verlust der Beschläge auf den Möbelseiten beeinträchtigte außerdem das Erscheinungsbild.
Ziel der Restaurierung sollte eine Substanzsicherung mit Erhaltung der mittlerweile als historisch geltenden Überarbeitungen sein. Für die künftige Präsentation sollten das Erscheinungsbild der Lackoberflächen verbessert und fehlende Beschläge, soweit nachvollziehbar, ergänzt werden.
Nach der Festigung der gelockerten Furnierung und der Reinigung sämtlicher Oberflächen integrierte die Restauratorin die auffälligen Furnierergänzungen mit einer aufwendigen Retusche. Die vom Sonnenlicht stark verblichenen Lackoberflächen wurden mit Hilfe eines eingefärbten Überzuges angeglichen. Mittels Wachsausschmelzverfahren ergänzte man die fehlenden Fußschuhe in Messingguss.
Die Voruntersuchung und Erarbeitung der Restaurierungskonzeption
erfolgte in der Möbelrestaurierungswerkstatt der Staatlichen Schlösser
und Gärten in Schloss Ludwigsburg. Durchgeführt wurde die Maßnahme von
Frau Diplomrestauratorin Irmela Breidenstein, freiberufliche
Restauratorin in Mönchengladbach.