Modemuseum

Herrenjacke

Herrenjacke

Die Herrenjacke stammt aus einem Konvolut von Damen-, Herren- und Kinderkleidung des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, das im Hinblick auf die geplante Einrichtung des Modemuseums erworben wurde. Das verarbeitete Seidengewebe zeigt auf hellbraunem Grund eine achsensymmetrische Komposition aus Blüten, Ranken und fächerförmig angeordnetem, mit Spitzenfeldern gefülltem Blattwerk. Das cremefarbene Muster wird von hellblauen, grünen, gelben und champagnerfarbenen Broschierungen aufs Eleganteste belebt.

Die kragenlose, langärmelige Jacke ist tailliert gearbeitet und leicht ausgestellt. Sie konnte mit auswechselbaren Knöpfen geschlossen werden, die nicht überkommen sind. Zur Komplettierung war eine Garnitur von 36 solcher Knöpfe erforderlich – wie die 24 mit roter Seide eingefassten Löcher zum Durchstecken der Knöpfe und die entsprechenden Knopflöcher auf der Vorderseite und die jeweils sechs an den Ärmel belegen.

Von dem in dieser Zeit üblichen Typus der Weste weicht die Jacke, trotz einiger Ähnlichkeiten, ab: Schon dass für den Rücken das gleiche Seidengewebe verwendet worden ist, und zwar in einer sehr präzisen, axialen Verarbeitung, verweist auf eine andere Funktion. Auch fehlen die eingeschnittenen Taschen. Die leichte Verarbeitung ohne Absteifung und vor allem die sorgfältig eingefassten, weiten Öffnungen unter den Achseln deuten darauf hin, dass offenbar größtmögliche Bewegungsfreiheit erwünscht war.

Dass sich mit dieser Jacke vermutlich sogar eine frühe Form von „Sportmode“ erhalten hat, legt eine bildliche Darstellung nahe. Auf einem um 1720 datierten Gemälde eines unbekannten Künstlers ist ein junger Mann dargestellt, der eine vom Schnitt vergleichbare Jacke trägt. Schnallenschuhe, Culotte, offenes Hemd und eine Hauskappe vervollständigen seine unprätentiös anmutende Garderobe, die er gewählt hat, um Tennis zu spielen; das Racket in seiner Hand ist eindeutiger Hinweis. Das Spiel im Ballhaus könnte also Anlass für die besondere Gestaltung der erworbenen Jacke gewesen sein: eine bequeme Fasson war angebracht, die mit den Achselöffnungen ein geradezu funktionalistisch anmutendes Detail bietet.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook