Hofleben

Venezianischer Karneval in Ludwigsburg

Im 18. Jahrhundert gab es eine Stadt, in der die Menschen das ganze Jahr über Masken trugen: Venedig. Die Lagunenmetropole war ein Ort der Feste, des Spiels, der Maskerade, und das nicht nur im Februar an den Karnevalstagen.

Schatzgräber in römischen Ruinen

Herzog Carl Eugen von Württemberg tauchte mehrfach in diese verwirrende und luxuriöse Atmosphäre ein: Er reiste immer wieder nach Italien, und der irrlichternde Glanz der Serenissima zog ihn besondes an. Er verbrachte 1762 und 1767 mehrere Monate in der von Wasser umgebenen Stadt. Dort besuchte er mit seinem Hofstaat und in Begleitung seiner Mätresse Franziska von Hohenheim alles, was Venedig an Lustbarkeiten zu bieten hatte – und das war viel: Opern, Bälle und Empfänge, Karneval und Gondelpartien, so genannte Akademien (Konzerte) und selbstverständlich die Sensa, die Vermählung des Dogen mit dem Meer, das wohl prächtigste Fest Venedigs. Der württembergische Herzog Carlo Eugenio führte fern der Heimat ein rauschendes Leben. Er veranstaltete üppige Festbanketts, zu denen er den venezianischen Adel einlud. Dieser bedankte sich seinerseits mit typisch venezianischen Spektakeln für die großzügigen Einladungen. In den Archiven finden sich Hinweise etwa auf eine Stierhatz auf der Piazza San Marco und auf eine Regatta, die am 3. Juni 1767 zu Ehren Carl Eugens veranstaltet wurde.

Marktstand eines Delikatessenverkäufers

Zurückgekehrt nach Württemberg, wollte der Herzog nicht mehr auf Venedig und seine Vergnügungen verzichten. 1763 brachte er zwei Gondoliere mit nach Ludwigsburg und lud die Hofgesellschaft zu Gondelfahrten auf den Bärenseen oberhalb von Stuttgart ein. Im Februar 1768 – anlässlich seines 40. Geburtstags – liess Carl Eugen in Ludwigsburg die erste Venezianische Messe stattfinden: ein exquisiter Jahrmarkt nach venezianischem Vorbild. Hier wurden erlesene Waren angeboten und im Erdgeschoss aller Häuser am Ludwigsburger Markt kurzzeitig „Wirtschaften“ und Spielbanken eingerichtet.

Balletgruppe aus drei Tänzern

Gaukler, Schauspielerinnen und Tänzerinnen präsentierten ihr Können. Einzigartig, aufregend und für die damaligen Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger sicherlich am spektakulärsten waren die venezianischen Kostüme und Masken, die die adeligen Besucher des Marktes trugen. In den folgenden Jahren ordnete Carl Eugen immer wieder die Veranstaltung solcher Messen an.

Venezianische Messe in Ludwigsburg

Die Venezianische Messe, die jedes Jahr viele Besucherinnen und Besucher nach Ludwigsburg lockt, ist also keine aus der Luft gegriffene Erfindung pfiffiger Stadtmarketingstrategen. Die barocken und venezianischen Kostüm- und Maskenträger tummeln sich auf historischem Boden und beleben einen alten Mummenschanz, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht.

 

 

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