Württembergs Herzöge als Sammler und Mäzene
Die Barockgalerie in Schloss Ludwigsburg
Bilder an den Wänden von Sälen und Galerien eines barocken Residenzschlosses gehören heutzutage selbstverständlich zum Ensemble der wertvollen Ausstattung. Selbstverständlich? Als man vor etwa dreihundert Jahren daran ging, diese Bauten herrschaftlich auszustatten, wurden die Räume mit Werken aus den höfischen Gemäldesammlungen geschmückt. Solche repräsentativen Gemäldesammlungen waren aus Prestigegründen von zentraler Bedeutung. Ihre Vergrößerung wurde von vielen Herrschern mit Leidenschaft betrieben.
Am württembergischen Hof war man weit weniger kunstbegeistert. Keiner der Herzöge war ein kundiger oder gar ein leidenschaftlicher Bildersammler. Als Herzog Eberhard Ludwig sein neues Schloss in Ludwigsburg herrschaftlich ausstatten lassen wollte, musste er feststellen, dass es am württembergischen Hof keine umfangreiche und im Sinne der Zeit repräsentative Gemäldesammlung gab, auf die er zurückgreifen konnte. Ab 1712 sind in den Kunstinventaren erste Ankäufe neuer Gemälde durch Eberhard Ludwig vermerkt. Dazu gehörten Gemälde genauso wie Miniaturen und Hinterglasmalereien. Die Bilder ließ er ziemlich geschlossen in der Galérie de peintures im zweiten Obergeschoss des Alten Corps de logis und in den beiden, sich anschließenden Erotik- und Miniaturkabinetten hängen. Dort wurden die Bilder nach "geistlichen, weltlichen und obszönen oder lustigen" Motiven arrangiert. Der künstlerische Wert dieser Sammlung ist aus heutiger Sicht nur schwer bestimmbar.
Für die Geschichte der herzoglichen Sammlung in Schloss Ludwigsburg wurde Eberhard Ludwigs Nachfolger, der nur wenige Jahre regierende Herzog Carl Alexander, von Bedeutung. Er erwarb 1736 die Gemäldesammlung von Graf Gustav Adolf von Gotter, dem preußischen Gesandten am kaiserlichen Hof in Wien. König Wilhelm I. konzentrierte sich auf die Gründung und Erbauung des neuen Museums der Bildenden Künste in Stuttgart, dem er 1843 einen Teil der Ludwigsburger Sammlung stiftete.
Mit der Barockgalerie, die im Mai 2004 in Schloss Ludwigsburg eröffnet wurde, erwachte die Tradition der repräsentativen Gemäldesammlungen eines barocken Residenzschlosses zu neuem Leben. Werke aus der Sammlung deutscher und italienischer Barockmalerei der Staatsgalerie Stuttgart sind zu sehen. Darunter gibt es Bilder, die erst in den letzten Jahrzehnten erworben wurden, aber natürlich auch das ein oder andere, das schon zu herzoglicher Zeit die Galerien und Festsäle Schloss Ludwigsburgs schmückte – zählt doch die Stiftung König Wilhelms I. von 1843 zum Grundstock der heutigen Sammlung.