Französischer Schick in den neuen Appartements
Im 18. Jahrhundert schaute man in allen Stilfragen nach Paris – mehr noch als heute. Auch was die Einrichtung anging, konnte man sicher sein, in Paris die neueste Mode zu finden. Dort gab es alles, was für eine moderne Schlossausstattung nötig war: teure Möbel, erlesenes Kunsthandwerk, kunstvoll gefertigte Stoffe und Gobelins... Es verwundert daher kaum, dass auch der württembergische Herzog Carl Eugen – der ja bekanntlich alles Schöne, Elegante und vor allem Kostspielige liebte – nach Paris reiste. Schließlich musste er sein Schloss in Ludwigsburg zeitgemäß ausstatten. Der üppige Barockstil aus der Erbauungszeit war anderthalb Herrschergenerationen später nicht mehr en vogue!
Schon während seiner „Ausbildung“ am Berliner Hof hatte Carl Eugen die unbeschwerte Eleganz des französischen Rokokos kennen gelernt. Württemberg konnte nichts Vergleichbares bieten: Ludwigsburg nicht und Stuttgart mit seinem Renaissanceschloss noch viel weniger. Also ging man dem Wunsch des Landesherren entsprechend mit der Mode. Zwischen 1757 und 1759 wurden in Ludwigsburg zahlreiche Veränderungen vorgenommen: Carl Eugen beauftragte den in Paris ausgebildeten Architekten Philippe de la Guêpière mit der Ausstattung seiner Privaträume im Neuen Corps de Logis und mit der Einrichtung des Ludwigsburger Schlosstheaters. In späteren Jahren widmete er sich dann dem Bau zahlreicher Lustschlösser wie Monrepos, Solitude oder Hohenheim, außerdem dem Bau des Neuen Schlosses in Stuttgart.
Auf seinen zahlreichen Reisen durch ganz Europa sammelte Carl Eugen Anregungen für das württembergische Hofleben. In Venedig ließ er sich durch den Karneval und die prachtvollen Venezianischen Messen beeindrucken. In Frankreich aber, in Paris, dem Zentrum des höfischen Luxus, suchte er nach kostbaren Ausstattungsstücken für seine Schlösser. Er stöberte dort, so die herzoglichen Reisetagebücher, in „Boutiquen von Kostbarkeiten“ nach Seidenstoffen, nach Porzellan und Silbergeschirr. Besonders aber interessierten ihn die Läden der Pariser Möbelhändler und Hofschreiner, den so genannten Ebenisten.
Von den Möbeln, die Carl Eugen auf seinen Reisen in Paris erwarb, sind viele Stücke erhalten. Und dank der ausführlichen Schlossinventare lässt sich noch heute das ein oder andere seinem ursprünglichen Standort zuweisen – angesichts der Tatsache, dass Carl Eugen die Ausstattungsstücke immer wieder von einem Schloss zum nächsten mitzunehmen pflegte, eine schwierige Aufgabe! Auch dem einstigen Appartement Carl Eugens im Ludwigsburger Schloss lassen sich erhaltene Möbelstücke zuweisen.