Hofleben

Barockes Jagdvergnügen am württembergischen Hof

Ordensstern an der Decke des Lackkabinetts im Jagdpavillon

Im Zeitalter des Barocks bekam die Jagd an den absolutistischen Höfen Europas eine besondere Bedeutung. Sie zählte zu all jenen zeremoniellen Lustbarkeiten, deren sich die Herrscher bedienten, um ihre Macht öffentlich zu demonstrieren: Macht über die Untertanen, Macht über die Tiere des Waldes, Macht aber auch über Leben und Tod. In Württemberg spielte die Jagd von alters her eine zentrale Rolle. Wie sehr man sich damit identifizierte, zeigen nicht zuletzt die drei Hirschstangen im Kernwappen des Herrscherhauses.

Ordensaal

Herzog Eberhard Ludwig rief 1702 den Hubertus-Jagdorden ins Leben. Als Sitz des Ordens ließ er den Erlachhof zu einem zeitgemäßen Jagdschloss umbauen und legte damit den Grundstein seiner künftigen Residenz in Ludwigsburg. Einmal im Jahr traf sich die exklusive Ordensgesellschaft am Hubertus-Tag (3. November), um mit einer mehrtägigen Jagdveranstaltung das Ordensfest zu feiern. Zu diesem gesellschaftlichen Großereignis fanden Parforce- und Treibjagden statt, man dinierte bei festlichen Banketten und vergnügte sich bis drei Uhr morgens auf rauschenden Bällen; außerdem ernannte der Herzog im Rahmen einer festlichen Zeremonie im Ordenssaal des stetig größer werdenden Schlosskomplexes neue Ordensritter.

Jagdszene am Stuttgarter Bärensee

Natürlich veranstaltete auch Herzog Carl Eugen große Jagdfeste. Zwei besonders prachtvoll ausgestattete „eingestellte“ Jagden am Bärensee bei Stuttgart gingen regelrecht in die Geschichte Württembergs ein. Die eine fand 1748 anlässlich der Hochzeit Carl Eugens statt, die andere wurde 1782 zu Ehren des russischen Großfürstenpaares gegeben. Bei diesen Jagden wurde das Wild durch eine Kulissenarchitektur steile Hänge hinunter ins Wasser getrieben. Auf der anderen Seite des Sees stürmten die Tiere vorbei an einem Pavillon, um durch eine zweite Festarchitektur in den Wald zu fliehen. Nicht immer wurde dabei geschossen. 1782 etwa fiel kein Schuss – man begeisterte sich an den ca. 5000 Tieren und ihrem Sturz ins Wasser.

Königlicher Leibbüchsenspanner Bechtner

Als Jagdarchitektur geplant war auch das Schlösschen Favorite in Ludwigsburg. Es diente neben der Jagd jedoch ebenso als Lustschloss. Wer mehr über die Geschichte der Jagd im Favoritenpark und am württembergischen Hof wissen möchte, wen es interessiert, wie eine Jagdpartie wirklich ablief und welche Schattenseiten sie etwa für die Untertanen der Herrscher bedeutete, der sollte sich nach Ludwigsburg begeben. Denn seit 2004 gibt es dort für Kinder und Erwachsene Informationen gewissermaßen aus erster Hand: Im Rahen der Sonderführungen berichtet unter anderem der königliche Leibbüchsenspanner Bechtner über Freud und Leid der königlichen Jagdvergnügen. Seine Büchse hat er selbstverständlich immer bei sich, geladen und zum Abschuss bereit!

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook