Mode im Barock – Ausdruck höfischer Macht- und Prachtentfaltung
Zur Zeit des Barock und des Rokoko waren Kleider ein Zeichen des Standes. Eigene Gesetze, die „Kleiderordnungen“, legten genau fest, welcher Stand welche Kleider tragen durfte und welche ihm bei Strafe verboten waren. Den höchsten Aufwand im damaligen Württemberg trieben die Herzöge mit ihrer standesgemäßen Garderobe: Sie demonstrierten damit ihren Anspruch an absolutistische Prachtentfaltung und Repräsentation. Kostbare Materialien wie Spitzen, Goldborten und edle Stoffe mit Stickereien sowie Gold- und Silberfäden betonten die herausragende Stellung der fürstlichen Person. Sie schufen eine für alle sichtbare Abgrenzung zu den Untertanen, die sich mit schlichteren Stoffen begnügen mussten.
Wie alle europäischen Fürstenhöfe der damaligen Zeit orientierte sich auch der württembergische Hof an der französischen Mode. Typisch für die Herrenmode war ein knielanger, taillierter Schoßrock, der „Justaucorps“ (französisch: „eng am Körper“). Er entwickelte sich aus der Soldatenkleidung und wurde durch König Ludwig XIV. von Frankreich hoffähig. Herzog Eberhard Ludwig trägt ein mit aufwändigen Goldstickereien und vergoldeten Knöpfen verziertes Modell, das seinen Rang betont. Hochspezialisierte Gold- und Seidensticker fertigten die prachtvolle Kleidung für den Hof; zeitweise waren in Ludwigsburg und Stuttgart mehr als zwölf dieser Fachleute gleichzeitig angestellt. Der Harnisch im Bild, der im Kriegsfall kaum noch verwendet wurde, weist auf Eberhard Ludwigs Ehrgeiz als Feldherr hin.
Die vornehme Damenwelt des Barock zwängte sich in Korsetts und trug kuppelförmige Unterröcke, die oft mit Metall oder Fischbein gestützt waren, um die gewünschte modische Silhouette zu erzielen. Später, im Rokoko, gewann der Reifrock immer mehr an Umfang, wie die raumfüllenden Maße einer Rokokorobe beweisen: Die Trägerin kam auf stattliche 1,35m Hüftbreite und konnte nur seitwärts durch Türen gehen. Als Kontrast zum weiten Rock waren die Frisuren klein gehalten und lagen dicht am Kopf an.
Während des 17. und 18. Jahrhunderts gehörten Hauben zum typischen Kopfschmuck der Frauen. Spitzenhäubchen wie das der Gräfin Christina Wilhelmina von Grävenitz, der langjährigen Geliebten Herzog Eberhard Ludwigs, waren mit Schleifen aus Band oder hängenden Spitzenteilen geschmückt. Diese einflussreiche Mätresse zeigte ihre Macht auch dadurch, dass sie offen die strenge Hofetikette unterlief: Bei Gesellschaften in ihrem Hause, an denen auch der Herzog teilnahm, behauptete sie, krank zu sein und empfing ihre Gäste im Negligé. Alle anderen Damen jedoch mussten „in höchstem Staate erscheinen“.