Hofleben

Barocke Tafelfreuden – höfische Tischkultur und kulinarische Genüsse

Speisezimmer

Die höfischen Tischsitten entwickelten sich aus den „Tischzuchten“, mittelalterlichen Benimmregeln zum angemessenen Verhalten an der Tafel. Bis zum 18. Jahrhundert verfeinerte der Adel diese Regeln zu einem komplizierten Tischzeremoniell. Geregelt wurde, wer an der Tafel bedienen musste und wie die Speisen zu servieren waren. Der gesellschaftliche Rang legte den Platz fest, den man an der Tafel einnahm. Großer Wert wurde auf Tischmanieren gelegt. Wer sie gekonnt beherrschte, wies sich als Mitglied der adligen Gesellschaft aus und grenzte sich dadurch von unteren Bevölkerungsgeschichten ab.

Leuchter

Im Barock diente die Tafel der Repräsentation und Selbstdarstellung des Herrschers. Aufwändige Tischdekorationen sowie wertvolle Gold- und Silbergerätschaften schmückten die standesgemäße Tafel. Um 1720 besaß Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg unter anderem ein vergoldetes Service mit 96 Tellern und ein silbernes Service mit 91 Tellern; dazu gehörten jeweils noch Leuchter, Waschbecken und anderer Zierrat. Als Porzellan immer mehr in Mode kam, wurden Tafelservice aus dem „weißen Gold“ hergestellt. Von Porzellan zu speisen zeugte nicht nur von Reichtum und Luxus, sondern war auch Ausdruck einer kultivierten Lebensart.

Deckelterrine

Die höfische Tafel bot einen wahren Augen- und Gaumenschmaus: Anlässlich seiner Hochzeit ließ Herzog Carl Eugen drei Gänge mit jeweils 20 Speisen servieren. Die Speisen waren vielseitiger, gewürzter und kunstvoller zubereitet als die Mahlzeiten nichtadliger Zeitgenossen. Die feine Gesellschaft ließ sich raffinierte Pasteten, exotische Früchte und Tiere schmecken. Meeresfische und Schalentiere standen ebenfalls auf dem Speiseplan. Besondere Bedeutung hatten Konfekt und Zuckerwerk, die als kleine plastische Kunstwerke gestaltet wurden.

Kaffee- und Teetrinker

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts veränderten die neuen exotischen Modegetränke Kaffee, Tee und Schokolade das Lebensgefühl der Hofgesellschaft. Das ideale Material für die dazu nötigen Trinkgefäße war das heiß begehrte Porzellan. Zusammen mit den modischen Getränken hielten neue Trinksitten Einzug ins höfische Leben. Kaffee beispielsweise wurde aus der Untertasse getrunken, in die man ihn vorher zum Abkühlen aus der Tasse gegossen hatte. Diese Sitte war in Deutschland bis zum Ende des 18. Jahrhunderts üblich. Trank man hingegen in Frankreich aus der Untertasse, galt man schon um 1780 als Hinterwäldler.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook