Personen der Bühne

Künstler am Ludwigsburger Schlosstheater zur Zeit Herzog Carl Eugens

Nur kurz blühte die Theaterkultur im Württemberg des 18. Jahrhunderts. Der Herzog zog mit üppigen Honoraren und Versprechungen eine große Anzahl von Künstlern ins Land, von den Bühnen Italiens und aus Paris. Als des Herzogs mehr als ehrgeizige Pläne innen- wie außenpolitisch in den 1760-er Jahren gescheitert waren und er die Ausgaben für den Hof verringern musste, verließen die meisten wieder das Herzogtum; manche aber blieben, da sie längst in Württemberg verheiratet waren. Dabei entstanden im Umfeld des Hofes italienische, französische und gemischte Familien, wobei die Mitglieder nicht nur Künstler sein mussten.

Jean George Noverre (1727-1810)

Jean George Noverre (1727-1810)

Der Vater des modernen Balletts – nichts weniger war Noverre. Der Herzog holte ihn als Ballettmeister nach Württemberg, zusammen mit seiner Frau, einer Schauspielerin. Ab 1760 wurden sie zuerst auf sechs Jahre verpflichtet, beide zu einer Gage von 5.000 Gulden im Jahr – ein Mehrfaches dessen, was beispielsweise ein hoher Hofbeamter verdiente. Kurz nach der Ankunft wurde der Vertrag auf unglaubliche 15 Jahre gestreckt. Noverre ist der Schöpfer des Ballettes, wie es sich bis heute im neoklassischen Ballett erhalten hat. Während seiner Zeit war unter anderem auch der „Tanzgott“ Vestris, Solist der Pariser Oper, am Hof engagiert.

Angiolo Maria Gasparo Vestris (ca. 1730/31-1809)

Vestris genoss den Ruf eines „Tanzgottes“. Seit 1753 war er Solist der Pariser Oper. Der Herzog engagiert den „Danseur“ von 1757 bis 1767 für eine aufsehenerregend hohe Gage. Das internationale Renommee hindert Carl Eugen nicht, Vestris 1763 mit seiner ehemaligen Maitresse zu verheiraten: mit der Schauspielerin und Tänzerin Françoise-Rose Dugazon. Als 1767 das Ballett aufgelöst wurde, verließen Noverre und Vestris Württemberg und kehrten nach Paris zurück.

Nicolò Jomelli (1714-1774)

Nicolò Jomelli (1714-1774)

Der Herzog engagierte den Komponisten und Musiker 1753 in Rom; 1754 trat er seinen Dienst als Oberkapellmeister und Musikdirektor an. Nach den Beschreibungen des 18. Jahrhunderts muss er seine Zeitgenossen mit seiner Musik in einen wahren Rausch versetzt haben. Chr. F. D. Schubart hörte Jomellis Oper „Fetonte“, aufgeführt 1768 zu des Herzogs Geburtstag, und nannte sie „…den Thriumph der Dichtkunst, Malerei, Tonkunst und Mimik… Jomelli stand an der Spitze des gebildetsten Orchesters der Welt. Der Geist der Musik war groß und himmelhebend. Tanz, Dekoration, Flugwerk, alles war im kühnsten, neuesten Stil...“ Die Musikgeschichte weist ihm auch heute noch einen durchaus bedeutenden Platz zu.

Marianne Pirker (1717-1782)

Die berühmte Sopranistin heiratete 1735 den Geiger Joseph Franz Pirker. 1750 trat sie ein festes Engagement in Württemberg an. 1752 gelang es, für ihren Mann die Kapellmeisterstelle an Carl Eugens Hof zu bekommen. Marianne Pirker wurde schnell zur engen Vertrauten der jungen Herzogin. Hofintrigen rund um die krisenhafte herzogliche Ehe führten dazu, dass der Herzog sie 1756 zusammen mit ihrem Mann auf dem Hohenasperg einkerkern ließ. Die Haft dauerte acht Jahre; sie fügte der Primadonna schwere gesundheitliche Schäden an Körper, Seele und Stimme zu. Nach der Entlassung 1764 lebten die Pirkers vor allem auf Gut Eschenau bei Weinsberg und in Heilbronn; den Lebensunterhalt bestritt das Paar vor allem durch Musikunterricht.

Elisabeta Caterina Bonafini (1751-1826)

Elisabeta Caterina Bonafini (1751-1826)

Elisabeta Caterina Bonafini ist vor allem als singende Maitresse des leichtlebigen, unmoralischen Herzogs Carl Eugen bekannt – eine seiner zahllosen Bühnenliebschaften. Doch „die Bonafini“ hatte durchaus ein bemerkenswertes Leben jenseits der württembergischen Landesgrenzen. Sie begann ihre Karriere am venezianischen Teatro San Moise. Dort hörte Sie der württembergische Herzog und engagierte die fünfzehnjährige Sängerin für seine Stuttgarter und Ludwigsburger Bühnen. Bald wurde sie zur führenden Maitresse. Auf dem Höhepunkt der „Karriere“ als Maitresse am württembergischen Hof überschrieb ihr der Herzog den Garbenhof, das spätere Gut Hohenheim. Allerdings nur für kurze Zeit, denn bald tauchte Franziska von Leutrum in der Nähe des Herzogs auf. Im Dezember 1771 versah der Herzog seine ehemalige Maitresse mit einer Pension und verheiratete sie mit einem Leibpagen von Poeltzig oder Boelzig. Im März 1772 verließen Mutter und Tochter Bonafini, die nun etwas über 20 Jahre alt war, Württemberg und kehrten zurück nach Italien.

In den folgenden zwei Jahren arbeitete sie an allen wichtigen italienischen Bühnen zwischen Oberitalien und Toskana: in Padua, Florenz, Modena, Genua, Turin, Venedig, Lucca. Regelmäßig belegt ist ihr großer Erfolg; sie war eine Primadonna, die, zeittypisch, in ständig neuen Stücken brillierte. 1775 reiste sie nach Warschau und gastierte dort am Hof des polnischen Königs Stanislas Leszczynski. Von August 1775 bis 1782 gehörte sie als „premiere chanteuse de la Cour“ zur Hofoper der russischen Zarin Katharina der Großen. 1783 schließlich beendete sie, nun etwas über 30 Jahre alt, ihre Karriere an den europäischen Hoftheatern.

Ihre Zeit bei Herzog Carl Eugen war, bei allem Glanz am kleinen Hof von Württemberg, eine fünf Jahre dauernde Episode im Laufe einer europäischen Opernkarriere und ein kurzer Jugendabschnitt in einem langen Leben. 1826 starb Caterina Bonafini in Modena, 54 Jahre nach ihren Tagen auf der Ludwigsburger Bühne.

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