Kuriose Funde

Die Neuverkabelung des Zuschauerraums bei der Sanierung des Schlosstheaters machte einen Blick in die Vergangenheit möglich: Die Öffnungen für die Installationswege eröffneten Einblicke in das konstruktive Gefüge der Zuschauerränge. Im Staub und Schutt der Gefache lagen Zeugnisse aus Bau- und Nutzungsgeschichte. Hier fand man etwa Papier- und Leinwandfragmente, die zu älteren Farbfassungen des Theaterraumes gehörten, Theaterzettel, Bonbonpapiere und -tüten, die teilweise aus klassischer Literatur angefertigt wurden, und vieles andere mehr. Tierische Theaterbewohner hatten einen Teil dieser Dinge dezimiert. Heute sind einige der Fundstücke in der Theaterausstellung zu sehen.

Öllampe zur Beleuchtung der Kulissen

Kulturschutt

Schon bei der Reinigung der Dachtraufen förderten die Handwerker interessante Fundstücke ans Tageslicht: etwa rostige, halbmondförmige Blechbüchsen, die, mit Öl gefüllt, über 100 Jahre lang die Ludwigsburger Kulissenbühne beleuchtet hatten. In der Unterbühne sind die ursprünglich verzinnten Reflektoren erhalten. Ein weiterer Rest fand sich an einem Ständer der Hinterbühne. Den Lampentyp kennt man aus einem viel älteren Theater: dem „Teatro Olimpico“ im italienischen Vicenza. Dort setzte man sie schon im 16. Jahrhundert ein, um die plastischen hölzernen Bühnenbilder von Vincenzo Scamozzi zu beleuchten.

Bonbontüten

Papiertüten und Bonbonpapier

Der Theaterbesuch war eine vergnügliche Angelegenheit, der Verzehr von Süßigkeiten durfte nicht fehlen. An vielen Stellen des Ludwigsburger Zuschauerraums fanden sich spitze Papiertüten und Papierchen zum Einwickeln von Bonbons. Besonders eine Sorte aus Breslau scheint beliebt gewesen zu sein. Von den Tüten ist eine erwähnenswert: Sie wurde aus einer Buchseite einer Odyssee-Ausgabe geklebt. Von Telemach ist die Rede, dem Sohn des Odysseus. Auch der Fund einer Spielkarte – Karokönig – und eines Zigarrenstummels deuten darauf hin, dass das Publikum dem Bühnengeschehen wohl weit weniger Aufmerksamkeit widmete, als heute üblich ist.

Theaterzettel

Die zahlreichen Theaterzettel, zum Teil arg zerstört, geben Einblicke in Repertoire und Aufführungspraxis. Ganz typisch: Es wurden immer mehrere Stücke an einem Abend gespielt.

Schätze im Gewichtsschacht

Verschiedene Funde
Verschiedene Funde aus dem Gewichtsschacht: Staubkämme, Stiefeletten aus feinem weißem Leder in Kindergrößen, Knochen, Austernschalen, Fragmente von Lampengläsern und linierten Schiefertafeln.
Porzellanpüppchen

Seit 1853 wurde das Theater nicht mehr bespielt. Das Zentralgewicht, das den großen Wellbaum in der Unterbühne in Bewegung setzt, verschwand. Der Schacht, der ca. 1,20 m unter dem Erdgeschossfußboden endete, wurde verfüllt und verschlossen. Nach der Entfernung mehrerer Eimer Bauschutt fanden sich in Sand und Dreck Zeugnisse der unterschiedlichsten Nutzungen. Staubkämme, Stiefeletten aus feinem weißem Leder in Kindergrößen, Knochen, Austernschalen, Fragmente von Lampengläsern und linierten Schiefertafeln.

Der hübscheste Fund ist wohl ein Porzellanpüppchen: gerade mal daumengroß, mit schwarzer Pagenfrisur, weißem Hemd und buntem Kragen.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook