Das Schlosstheater Ludwigsburg gehört mit seiner historischen Bühnenmaschinerie und seiner Sammlung originaler Bühnenbilder zur Spitzengruppe der historischen Theater in Europa.
Um diesen ganz besonderen Teil des gemeinsamen Kulturerbes Europas bekannter und für jedermann zugänglicher zu machen, entsteht zurzeit die “Europastraße Historische Theater“. Diese touristische Straße verbindet ausgewählte historische Theater aus dem 16.-19. Jahrhundert miteinander. Gefördert von der EU, wird sie in einzelnen Abschnitten (Routen) organisiert. Jede Route besteht aus maximal 12 Theatern, die in einer guten Woche bereist werden können. Bereits eröffnet sind die Deutschland-Route sowie die Nordische Route durch Schweden, Norwegen, Dänemark. Bis Ende 2009 werden die Kaiser-Route zu historischen Theatern in der Tschechischen Republik und Österreich, eine Italien-Route sowie die Ärmelkanal-Route durch Belgien, die Niederlande und Großbritannien folgen.
Lernen Sie die Schätze der Deutschland-Route kennen:
Unsere Fahrt beginnt auf der Insel Rügen. Hier baute sich Fürst Malte von Putbus eine ideale Stadt, natürlich mit Theater (1821). Auf dem Festland wollte Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz selbst in seiner Sommerfrische Neubrandenburg nicht ohne Theater sein und ließ sich 1797 ein Sommertheater errichten, ganz in Fachwerkbauweise. Das große Vorbild war Friedrich der Große, der sich vier Theater baute. Von diesen ist heute noch sein Privattheater (1769) im Neuen Palais von Potsdam-Sanssouci zu besichtigen.
Fahren wir weiter nach Süden, betreten wir Goethes Welt. Zuerst das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt, nahe der Händel-Stadt Halle (Saale), das der Dichter 1802 erbauen ließ. Weiter geht es zum Liebhabertheater (1800) der Familie von Stein auf Schloss Kochberg. Und schließlich ins Schlosstheater von Gotha, ins Ekhof-Theater (1681/1775).
Von Gotha, dem Zentrum des deutschen Theaters im 18. Jahrhundert, zum Zentrum des deutschen Theaters im 19. Jahrhundert: Meiningen. Herzog Georg II., der Theaterherzog, schuf hier einen Theaterstil, der europaweit nachgeahmt wurde. Er spiegelt sich heute noch in den großen Bühnenbildern der Zeit, die original erhalten zu sehen sind.
Nicht weit davon, in Bayreuth, treffen wir auf eine Schwester Friedrichs des Großen, Markgräfin Wilhelmine. Sie wollte ihre Residenz aufwerten und ließ das prächtigste Theater nördlich der Alpen bauen, das Markgräfliche Opernhaus. 1748 wurde es eingeweiht, zur Hochzeit ihrer Tochter mit dem Herzog Carl Eugen von Württemberg. Kaum hatten die jungen Leute ihre Sommerresidenz Ludwigsburg bezogen, ließen sie auch hier ein Theater einrichten (1758). Ihr Nachbar, Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz, war schneller: Das Rokokotheater in seiner Sommerresidenz Schwetzingen stand schon 1752 bereit.
Ganz kaufmännisch dachte dagegen Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel. Er befahl 1781 den Bau eines „Comoedien Hauses“ bei Hanau, um damit Kurgäste in seinen neuen Kurort Wilhelmsbad zu locken. Ähnliches plante auch Fürstbischof Clemens Wenzeslaus in Koblenz, doch überließ er es aus finanziellen Gründen lieber einem Herrn Schmitz, 1787 ein Theater zu bauen und zu betreiben. So endet (oder beginnt) unsere Reise zu historischen Theatern in einem der ältesten Stadttheater Deutschlands.
Damit diese Schätze auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben, wurde im Jahre 2003 „PERSPECTIV – Gesellschaft der historischen Theater Europas“ gegründet.
Die gemeinnützige Organisation will den Erhalt und die Restaurierung der historischen Theater unterstützen, den kontinuierlichen Austausch zwischen den historischen Theatern organisieren, Forschungsprojekte initiieren und fördern und die Öffentlichkeit mit diesem besonderen europäischen Kulturerbe bekannt machen.
Mitglieder von PERSPECTIV sind Theater, Organisationen, Fachleute und interessierte Laien. Sie erhalten regelmäßig einen Newsletter in Deutsch, Englisch und Französisch mit den neusten Nachrichten aus der Welt der historischen Theater. Darüber hinaus organisiert PERSPECTIV alle zwei Jahre einen öffentlichen Kongress zu den Kernthemen Bauerhalt, Restaurierung, Bespielung, Ausstellung, Tourismus.
Mehr Informationen zu PERSPECTIV und den Theatern der „Europastraße Historische Theater“ finden Sie unter www.perspectiv-online.org.