„Weinkanne von ziemlicher Größe“
Für den Import des begehrten Porzellans aus China und Japan gaben europäische Fürsten im 17. Jahrhundert ungeheure Summen aus. Nachdem es am sächsischen Hof endlich gelungen war, das Geheimnis der Herstellung zu lüften, entstand in Meißen 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur. Der zeitliche Vorsprung ließ Meißen zum vielkopierten Vorbild für alle in den folgenden Jahrzehnten gegründeten Manufakturen in Europa werden.
Der Dresdner Hofbildhauer Johann Joachim Kaendler wurde 1731 als Modelleur an die Porzellanmanufaktur nach Meißen berufen. Fortan prägte Kaendler den Stil figürlicher Tafeldekorationen in Meißen und, von dort ausstrahlend, in ganz Europa. Darüber hinaus veränderte er den bis dahin in der Manufaktur Meißen gepflegten Geschirrstil entscheidend. Statt glattwandiger, der Malerei als Träger dienender Gefäße, schuf er nun durchmodellierte Körper mit Reliefauflagen und plastischem Zierrat.
Eine Ausformung der „Weinkanne von ziemlicher Größe“, die Johann Joachim Kaendler im Juli 1735 entwarf, ist ein prachtvolles Beispiel für den von ihm in seiner Frühzeit bevorzugten Stil. Kraftvolles Akanthuslaub, eine bärtige Blattmaske und unterschiedliche Relieffriese dominieren über den Blumendekor im Stil des japanischen Porzellanmalers Kakiemon.