Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands

Residenzschloss Ludwigsburg

Essen mit dem Herzog

Barocke Tafelformen

Essen bei Hofe war mehr als nur Nahrungsaufnahme: Üppig gedeckte Tafeln mit außergewöhnlichen Speisen zeugten von Reichtum und Macht des Herrschers. Die Sitzordnung spiegelte die Rangfolge wider – wer nah beim Herzog saß, hatte Einfluss. Doch nicht immer schmeckte, was auf die Tische kam.

Soirée Royale im Residenzschloss Ludwigsburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Norbert Stadler

Die Dienerschaft versorgte die Tafeln mit Essen.“

Das Servieren „à la française“

Im 17. und 18. Jahrhundert speiste man "à la française": Dabei standen viele unterschiedliche Gerichte gleichzeitig auf dem Tisch, nach festen Tafelplänen und im Sinne einer barocken Gesamtkomposition angerichtet. Als Vorspeise gab es kleine Pasteten, Suppen oder Eingelegtes. Der Hauptgang bestand aus großen Bratenstücken, Gemüsegerichten und Süßspeisen. Als Dessert aß man Obst, Käse und Süßes. Mit parfümierten Zahnstochern, Fenchelstängeln und Minzkonfekt wurde nach dem Mahl der Atem erfrischt.

Eine moderne Festtafel im Schloss; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Nowodworski

Das Essen war in Fayencen angerichtet.

Von der Hand in den Mund

Das Essen mit Gabel und Messer ist eine vergleichsweise neue Sitte, die sich erst im 19. Jahrhundert durchsetzte. Auch bei Hofe aß man lange mit den Fingern. Die wichtigste Funktion des Tischtuchs bestand darin, dass man sich die Finger abwischen konnte. Deshalb wurde nach jedem Gang das oberste Tischtuch abgezogen und eine darunterliegende frische Tischdecke benutzt. Der letzte Gang konnte auch direkt auf dem Holz des Tisches serviert werden, dann stand jede Speise auf einem Spitzendeckchen.

Aufwärmofen im Residenzschloss Ludwigsburg; Foto: SWR, Lothar Zimmermann

Auf solchen Öfen konnten Speisen warmgehalten werden.

Vorsicht! Kalt und fettig

Trotz der Vielzahl an Gerichten und der prunkvollen Tischdekoration war das Speisen an der barocken Fürstentafel nicht immer eine Gaumenfreude. Gerichte wurden oft lauwarm oder kalt serviert, denn der Weg von der Küche bis zur Tafel war lang. Unterwegs gab es mehrere Aufwärmöfen. Vieles war so weichgekocht, dass man es auch ohne Zähne essen konnte. Fricassée und Ragout sind eine Erfindung der Zeit, als die Menschen, mangels Zahnpflege, schon in jungen Jahren ihre Zähne verloren hatten.

Besonders beliebt waren im Barock die sogenannten Schaugerichte. Aus ihnen sprangen zur Belustigung der Hofgesellschaft lebendige Tiere hervor.

Fürstliche Tischgesellschaft spiegelt die Rangordnung

Die Tafeln in Schloss Ludwigsburg waren eng besetzt und die Hofküche kochte täglich für über hundert Personen. An der Spitze stand die Tafel des Herzogs, daneben gab es Tafeln für die verschiedenen Höflinge, die täglich auf Kosten des Herrschers speisten. An welcher Tafel die Gäste saßen, war ein klarer Hinweis auf deren Bedeutung. Die "Ordentliche Beschreibung derjenigen Taffeln und Tisch, welche hinkünfftig bey Hoff sollen gehalten ... werden" gab 1716 präzise die Sitzordnung wieder: Es wurden 127 Personen am Ludwigsburger Hof verköstigt, die sich mittags und abends an neun Tafeln zusammenfanden.

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