Besucherin in der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur

Weisses Gold für den Herzog

Die Porzellanmanufaktur

Im Jahr 1758 gründete Herzog Carl Eugen von Württemberg in Ludwigsburg eine Porzellanmanufaktur. Durch die Berufung erfahrener Spezialisten und seine großzügige finanzielle Unterstützung erreichte die Produktion schon nach kurzer Zeit höchste Qualität.

Prunkvase, Ludwigsburger Porzellan, Gottlieb Friedrich Riedel, um 1760-65; Foto: Landesmuseum Württemberg

Prunkvase mit Girlanden geschmückt.

Wer kennt die geheime Rezeptur?

Nach mehreren gescheiterten Versuchen zur Porzellanherstellung wurde 1759 Joseph Jakob Ringler (1730–1804) zum zweiten Direktor der Manufaktur ernannt. Er hatte zuvor in Wien, Höchst und Nymphenburg die notwendigen Kenntnisse über die Mischung der Porzellanmasse und die Brenntechnik erworben. Ringler leitete das von ihm aufgebaute Unternehmen über vierzig Jahre lang und hatte in dieser Zeit mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen: Es fehlte immer wieder an Brennholz sowie an geeigneter Porzellanerde.

Kaffeekanne mit Schuppenmuster, Ludwigsburger Porzellan; Foto: Landesmuseum Württemberg

Kaffeekanne mit dem berühmten Schuppenmuster.

Kreationen auf höchstem Niveau

Renommierte Künstler sorgten für die hohe Qualität des Ludwigburger Porzellans. Gut 20 Jahre, von 1759 bis 1779, war Gottlieb Friedrich Riedel (1724–1784) als Obermaler an der Manufaktur tätig. Er entwarf großartige Dekore, originelle Vasenformen und figürliche Plastiken. Er kreierte auch das berühmte Schuppenmuster, das zum Markenzeichen der Ludwigsburger Manufaktur wurde. In seiner Blütezeit hatte der im Jägerhof an der Schorndorfer Straße untergebrachte Betrieb bis zu 180 Mitarbeiter.

Blick in die Werkstatt, Jubiläumsei anläßlich des Jubiläums 255 Jahre Porzellanmanufaktur; Foto: Porzellanmanufaktur Ludwigsburg GmbH

Blick in die Werkstatt auf einem Jubiläumsei.

Die Hofbildhauer sind beteiligt

Herzog Carl Eugen beauftragte immer wieder seine Hofbildhauer, Modelle für die Porzellanmanufaktur zu entwerfen. Zu den bedeutendsten Schöpfungen aus Ludwigsburger Porzellan gehören die Figuren von Johann Christian Wilhelm Beyer (1725–1796). Noch ganz in der Tradition des Rokoko stehen die von ihm geschaffenen musizierenden Solisten mit ihren kunstvoll gedrehten Körperhaltungen. Andere seiner Figurenkompositionen zeigen dagegen schon Einflüsse des beginnenden Klassizismus.

Clavicordspielerin aus Porzellan; Foto: Landesmuseum Württemberg
Gitarrenspielerin aus Porzellan; Foto: Landesmuseum Württemberg

Filigrane Meisterwerke: eine Clavicord- und eine Gitarrenspielerin.

Spiegel des Giovanelli-Martinelli-Services, heute im Landesmuseum Württemberg; Foto: Landesmuseum Württemberg

Der Spiegel aus dem Service.

Zerbrechliche Kunstwerke als luxuriöses Geschenk

Porzellan war eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Gegenstände aus dem teuren Material waren begehrte Sammelobjekte, Dekoration fürstlicher Tafeln und repräsentatives Geschenk. Für die venezianische Gräfin Giovanelli-Martinelli, mit deren Familie der Herzog befreundet war, gab Carl Eugen 1762 in seiner Ludwigsburger Manufaktur ein prächtiges Hochzeitsgeschenk in Auftrag. Das Toilette-Service mit 50 Teilen gehört zu den Höhepunkten des Keramikmuseums im Schloss.

Wechselhafte Geschichte

Der Wandel der Moden ließ die Nachfrage nach Ludwigsburger Porzellan zurückgehen. Zudem wurde Carl Eugen das Geld knapp. Er schränkte daher ab 1771 seine Zuschüsse für den Ludwigsburger Betrieb drastisch ein. Als größere Aufträge ausblieben, geriet die Manufaktur in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Nach einer kurzen letzten Blüte in der Regierungszeit von König Friedrich I. zu Beginn des 19. Jahrhunderts schloss die erste Ludwigsburger Porzellanmanufaktur 1824.

Porzellanmanufaktur Ludwigsburg: Formen; Foto: Porzellanmanufaktur Ludwigsburg GmbH
Porzellanmanufaktur Ludwigsburg: Bossieren; Foto: Porzellanmanufaktur Ludwigsburg GmbH
Porzellanmanufaktur Ludwigsburg: Polieren; Foto: Porzellanmanufaktur Ludwigsburg GmbH

Formen - Bossieren - Polieren: verschiedene Arbeitsschritte in der Porzellanmanufaktur Ludwigsburg.

Die Porzellanmanufaktur heute

Nachdem Otto Wanner-Brandt 1947 die Porzellanmanufaktur Ludwigsburg wieder aufleben ließ, wurde sie 1971 in eine GmbH umgewandelt. Der Wandel der Zeit ging jedoch nicht spurlos an dem Betrieb vorbei und die über 250-jährige Geschichte der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur nahm 2016 aufgrund mangelnder Nachfrage nach edlem Porzellan ein Ende. Der Produktion wurde eingestellt und die Manufaktur aufgelöst. Historische Schätze aus der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur sind jedoch im Keramikmuseum des Schlosses zu sehen.

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Das Keramikmuseum

Lagerverkauf der Restbestände

Restbestände aus dem Lager der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur können nach Terminvereinbarung unter Telefon +49(0)71 41.18 20 04 erworben werden. Außerdem findet am 6. Mai 2018 ein Sonderverkauf statt.

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