Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands

Residenzschloss Ludwigsburg

Kommoden und Stühle aus Paris; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württembergs, David Franck
Inspirationen aus Paris

Französische Möbel in

Schloss Ludwigsburg

Wer im 18. Jahrhundert sein Schloss standesgemäß einrichten wollte, kaufte in Paris ein, einem Zentrum für hochkarätiges Kunsthandwerk. Auch Herzog Carl Eugen von Württemberg kaufte französische Möbel. Weitere Möbel in diesem Stiel ließ er von seinen Hofschreinern kopieren.

Kommode aus Paris, um 1745/50; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, SV Ludwigsburg

Kommode des Pariser Meisters Jaques-Philippe Carel.

Handwerk oder Kunst?

Unter König Ludwig XIV. von Frankreich erlebte die Möbelherstellung den Aufstieg zu einer anerkannten Kunstform. Die besten Meister der Möbelzunft traten in den Dienst des Sonnenkönigs, der eine Gleichstellung der Möbelschreiner mit den übrigen Künstlern bewirkte. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts kennzeichneten die Pariser Möbelschreiner ihre Werke mit einer persönlichen Stempelmarke. So sollte damals der Verkauf von minderwertigen Möbeln unterbunden werden. Heute helfen diese Marken bei der Forschung nach der Herkunft der Möbel.

Schreibschrank aus Paris, um 1770/75; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Ralf Cohen

Schreibschrank von René Dubois im Carl-Eugen-Appartement.

Standesgemäss wohnen

Paris war im 18. Jahrhundert ein europäisches Zentrum für die Herstellung von Luxusartikeln. Für viele Fürsten war es standesgemäß, ihre Schlösser mit französischen Möbeln auszustatten. Auch der württembergische Herzog war mehrfach in Paris, um Möbel zu kaufen. Diese stellten in erster Linie Prestigeobjekte dar. Darauf weisen die geringen Gebrauchspuren an den noch heute im Ludwigsburger Schloss erhaltenen Möbeln hin. Die Herkunft dieser Möbel lässt sich durch ihre Stempelungen nachweisen – insgesamt Stempel von 16 Pariser Kunstschreinern und einem Pariser Tischler.

Kommoden und Stühle aus Paris; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württembergs, David Franck

Kommode von Jean-Baptiste Hédouin.

Eine Bezugsquelle in Strassburg

Paris war zwar die erste Adresse für kostspieliges Mobiliar, doch der württembergische Hof bezog einen Großteil der erforderlichen Möbel wesentlich preisgünstiger aus dem nahen Straßburg. Im Laufe des 17. Jahrhunderts, nachdem das Elsass von Frankreich erobert worden war, übernahmen elsässische Handwerker Techniken des französischen Kunsthandwerks. Eine zentrale Rolle beim Möbelkauf spielte der Handelsmann Gerard Walther, der Möbel von Straßburger Herstellern nach Württemberg vertrieb. Nachweislich bestellte auch Herzog Carl Eugen Möbel bei ihm und stattete Walther 1786 sogar einen Besuch in Straßburg ab.

Fauteuils aus Paris, um 1760; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Sitzgarnitur „en cabriolet“ aus Paris.

Französischer Einfluss am württembergischen Hof

Obwohl Herzog Carl Eugen Möbel in Paris und Straßburg kaufte, fertigten die herzoglichen Hofhandwerker den überwiegenden Teil der benötigten Möbel wahrscheinlich selbst an. Aber auch diese Möbelschreiner achteten auf die aktuelle Mode aus Frankreich: Die modernen Stücke aus Paris wurden importiert und von den Möbelschreinern am Hof nachgebaut. Außerdem beschäftigte Herzog Carl Eugen den französischstämmigen Louis Rofer und den Pariser Michel Fressancourt, die unter anderem Sitzmöbel und Konsoltische herstellten.