Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands

Residenzschloss Ludwigsburg

Residenzschloss Ludwigsburg, um 1920; Foto: Landesmedienzentrum für Baden-Württemberg, Otto Lossen
Bürger übernehmen das Schloss

Das Ende der Monarchie

Am 9. November 1918 wurde die Republik ausgerufen – auch in Baden und Württemberg. Die Monarchen dankten ab und in Deutschland begann die Zeit der Demokratie. Zugleich wurden viele ehemalige Residenzschlösser zu Museen und damit zu Orten, die seither allen Bürgern des Landes gehören.

Die Residenz verliert ihre Funktion

Schloss Ludwigsburg war am Beginn des 20. Jahrhunderts schon lange keine offizielle Residenz mehr. Der König lebte, arbeitete und residierte bis zu seiner Abdankung am 9. November 1918 überwiegend in Stuttgart. Danach wohnte Wilhelm II. mit seiner Frau Charlotte in Schloss Bebenhausen. Damals waren in Ludwigsburg noch zwei Wohnungen von Angehörigen der Herrscherfamilie genutzt.

Residenzschloss Ludwigsburg, Prinzessin Olga mit Prinz Maximilian und ihren Kindern; Foto: Hauptsstaatsarchiv Stuttgart, Urheber unbekannt

Prinzessin Olga und Prinz Maximilian mit ihren Kindern.

EINE PRINZESSIN ALS MIETERIN

Der neue württembergische Staat beschloss nach seiner Gründung, dass die Mitglieder des früheren königlichen Hauses alle Räume in staatlichen Gebäuden bis zum 1. April 1919 räumen mussten. Herzog Ulrich zog daraufhin im Januar aus dem Schloss aus. Prinzessin Olga hingegen mietete im Februar ihre Räume im Neuen Hauptbau von der württembergischen Staatsfinanzverwaltung an. Sie wohnte bis zu ihrem Tod 1932 im Residenzschloss, als letzte Angehörige des württembergischen Königshauses.

DER ORDENSSAAL: EIN ORT MIT TRADITION

Am 12. Januar 1919 fand in Stuttgart die Wahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung statt. Sie war der erste wesentliche Schritt zur demokratischen Umgestaltung Württembergs. Der neugegründete Staat benötigte nun eine eigene Landesverfassung. Am Vorabend ihrer Verabschiedung war der Ordenssaal im Ludwigsburger Schloss der Schauplatz des offiziellen Festakts für die neue Verfassung. Der Ordenssaal stand und steht dabei auch für eine besondere Tradition. Denn bereits ein Jahrhundert zuvor, 1819, fand im Saal ein bedeutendes politisches Ereignis statt. Hier verkündete König Wilhelm I. die Verfassung des Königreichs Württemberg. Die Verabschiedung der neuen Verfassung 1919 wurde bewusst in großer zeitlicher Nähe zu diesem Jubiläum angesetzt, um die neue demokratische Verfassung in die als fortschrittlich geltende württembergische Verfassungstradition zu stellen.  

Residenzschloss Ludwigsburg, Ordenssaal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, David Franck

Der Thron von König Friedrich I. im Ordenssaal.

EIN JAHRHUNDERT SCHLOSSERLEBNIS

Viele Schlösser waren schon vor 100 Jahren nicht mehr Wohnsitz oder gar Regierungssitz der alten Herrscherfamilien. Die Umnutzung hatte längst begonnen: als Museum oder als touristische Attraktion, als Archiv oder als Verwaltungssitz. Mit dem Ende der Monarchie wurde der Schritt endgültig. Nur die Schlösser, die zum Privatvermögen der ehemaligen Herrscher gehörten, blieben in deren Eigentum. Alle anderen Schlösser gingen in Landesbesitz über – viele davon sind noch heute besuchenswerte Sehenswürdigkeiten, betreut von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.

Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands

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