Das Residenzschloss Ludwigsburg von der Südseite

Ein genialer Baumeister aus Italien

Donato Giuseppe Frisoni

Der italienische Stuckateur Donato Giuseppe Frisoni (1683–1735) kam 1709 nach Ludwigsburg. Nach dem überraschenden Tod des Baumeisters Johann Friedrich Nette übernahm er 1715 die Leitung des Schlossbauwesens auf ausdrücklichen Wunsch von Herzog Eberhard Ludwig.

Besucher im Residenzschloss Ludwigsburg

Werke von oberitalienischen Künstlern überall.

Wer war Donato Giuseppe Frisoni?

Donato Giuseppe Frisoni entstammte einer oberitalienischen Künstlerfamilie. Nachdem er in Wien, Passau und Prag als Stuckateur gearbeitete hatte, wurde er von Oberbaudirektor Nette auf die Ludwigsburger Schlossbaustelle berufen. Die abwechslungsreichen und fantastischen Stuckdekorationen, die er gemeinsam mit seinem Kollegen Tommaso Soldati im Alten Hauptbau sowie im Ordensbau und im Riesenbau ausführte, fanden bei Herzog Eberhard Ludwig großen Gefallen.

Deckenfresko mit Stuckrelief im Satyrkabinett im Residenzschloss Ludwigsburg

Ein Stuckateur vollendet die Schlossanlage.

Geht das: ein Stuckateur als Architekt?

Als Stuckateur besaß Frisoni keine spezielle architektonische Ausbildung. Trotzdem ernannte Eberhard Ludwig ihn gegen den Willen der Baukommission zum Leiter des Ludwigsburger Schlossbaus. Er vollendete die bereits von seinem Vorgänger geplante Dreiflügelanlage und entwarf mehrere Projekte zur Erweiterung des Schlosses. Zwischen 1726 und 1733 wurden nach seinen Plänen der Neue Hauptbau, zwei Verbindungsgalerien sowie zwei Pavillons errichtet und der Garten neu angelegt.

Federzeichnung von Donato Giuseppe Frisoni mit einem Entwurf für den Schlossbau

Nicht umgesetzter "Entwurf zu einem neuen Corps de Logis mit zentraler doppelläufiger Treppenanlage" von Donato Giuséppe Frisoni.

Blick vom Marstallhochhaus nach Süden über den Holzmarkt Richtung Marktplatz

Eine barocke Musterstadt.

Wie erhielt Ludwigsburg sein südländisches Flair?

Frisoni verlieh nicht nur dem Residenzschloss seine endgültige Gestalt. Er prägte auch das Gesicht der Stadt, die ab 1715 nach einem von ihm geschaffenen Planmodell erbaut wurde. Mit ihrem symmetrischen Grundriss, den schnurgeraden Alleen, den einheitlichen Häuserfassaden und dem von Arkadenbögen gesäumten Marktplatz verkörpert Ludwigsburg das Ideal einer barocken Stadt. Bei seinen Bauprojekten beschäftigte Frisoni fast ausschließlich Handwerker und Künstler aus Italien.

Weshalb musste der Baumeister ins Gefängnis?

Als herzoglicher Oberbaudirektor gehörte Frisoni zusammen mit seinem Schwager, dem Bauunternehmer Paolo Retti, zu den einflussreichsten und wohlhabendsten Bürgern in Ludwigburg. Nach dem Tod Herzog Eberhard Ludwigs wurden beide wegen angeblicher Unterschlagung verhaftet. 1735, wenige Monate nach seinem Freispruch, starb Frisoni in Ludwigsburg.

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