Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands
Residenzschloss Ludwigsburg

Donnerstag, 9. April 2020

Residenzschloss Ludwigsburg | Allgemeines 18.4.1729: Geburtstag Gaetano Vestris. Der „Tanzgott“ verzauberte auch Ludwigsburg

Am 18. April 1729 wurde Gaetano Apolline Baldassarre Vestris in Florenz geboren. Er nahm einen kometenhaften Aufstieg in der Welt des Tanzes: Wien, Dresden, Paris. Sein Tanzstil begeisterte das Publikum. Auch Ludwigsburg und Württemberg bildeten eine Station auf dem Lebensweg des „Tanzgottes“.

EIN MEISTER SCHWEBT VOM HIMMEL

In der italienischen Kulturmetropole Florenz wurde im Frühjahr 1729 Gaetano Apolline Baldassare Vestris (1729-1808) geboren. Er war der Sohn von Tommaso Marino Ippolito Vestris, von dessen sieben Kindern insgesamt drei den Tänzerberuf ergriffen haben: Gaetano, Teresa und Angiolo. Schon früh zeigte sich Gaetanos Talent: Bereits in den 1740er-Jahren erhielt er die Position des Ersten Tänzers in Wien und dann Dresden. Sein Weg führte ihn nach Paris, wo er an der Académie Royale de la Danse Unterricht nahm. Schnell avancierte er zum „dieu de la danse“ – zum Tanzgott. Er war so erfolgreich, dass ihm die Worte in den Mund gelegt wurden: „Es gibt nur drei große Männer in Europa: Den König von Preußen, Voltaire und mich.“ 1754 wurde er jedoch wegen einer Duellforderung aus der Pariser Compagnie entlassen.

 

KÜNSTLER AM WÜRTTEMBERGISCHEN HOF

Das württembergische Hoftheater war bis Ende des 18. Jahrhunderts eines der besten in Europa. Herzog Carl Eugen unterhielt Ensembles für Theater, Oper und Ballett. 1760 gewann er den prominenten Tänzer und Choreographen Jean-Georges Noverre (1727–1810) als Ballettmeister. Zusammen mit seiner Frau, einer Schauspielerin, kam er nach Württemberg, für eine Gage von 5.000 Gulden im Jahr – ein Mehrfaches dessen, was beispielsweise ein hoher Hofbeamter verdiente. Durch Noverre erhielt das württembergische Hoftheater seinen exzellenten Ruf. Er schuf das Handlungsballett, wie es sich bis heute im neoklassischen Ballett erhalten hat. Noch in Württemberg veröffentlichte er seine berühmten „Lettres sur la Danse“, die als theoretische Grundlage für das Ballett als eigenständige Kunstform gelten. Gaetano Vestris tanzte unter seiner Regie.

 

TANZGOTT IN WÜRTTEMBERG

Nach der Entlassung in Paris fand Vestris sein Auskommen in Württemberg. Herzog Carl Eugen bot ihm horrende Summen für seine Auftritte am Hof. Ab 1763 wurde er jährlich zur Festsaison nach Württemberg berufen. Ein Augenzeuge schilderte die Darbietungen des Weltklassetänzers: „Alle Leidenschaften … wurden mit so großem Nachdrucke der Wahrscheinlichkeit durch Gaetano Vestris geschildert und ausgedrückt, daß er sie alle in das Herz der Zuschauer hinüber leitete“. 1767 wurde Vestris wieder aus dem Dienst des Herzogs entlassen – zusammen mit zahlreichen weiteren Künstler, eine Folge der strengeren Sparauflagen, denn Herzog Carl Eugen hatte mit seiner Prachtentfaltung die Finanzen des Landes ruiniert. Gaetano Verstris fand er aber wieder eine Anstellung in Paris an der Opéra National de Paris, wo er der Tanzmeister des Königs Ludwig XVI. wurde. 1776 folgte ihm Jean Georges Noverre in dieser Funktion nach. Einen letzten Auftritt hatte er noch mit 71 Jahren, anlässlich des Bühnendebüts seines Enkels.

 

Information

Aktuell ist das Residenzschloss Ludwigsburg wie alle Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ebenso wie alle Kultureinrichtungen geschlossen.

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