Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands

Residenzschloss Ludwigsburg

Dienstag, 20. November 2018

Residenzschloss Ludwigsburg | Führungen & Sonderführungen

KOSTBARE AUSSTATTUNG DER KÖNIGSZEIT

Ausgestattet auf kaiserlichem Niveau: So präsentiert sich zunehmend der württembergische Hof bei den aktuellen Forschungsarbeiten der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in Schloss Ludwigsburg. Viele der Stücke, die heute in Ludwigsburg zu sehen sind, haben ihre Entsprechung in den Schlössern der russischen Zaren in St. Petersburg oder des französischen Kaisers Napoleon – zu erkennen am Niveau. „Die aktuellen Arbeiten in Ludwigsburg verändern den Blick auf den Rang der württembergischen Residenzen – in Ludwigsburg, aber auch in Stuttgart“, zieht Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, ein erstes Fazit.

Nur für kurze Zeit sichtbar: Eine Entdeckung bei den Restaurierungsarbeiten

           

Im Zuge der Arbeit für die Neupräsentation des Neuen Corps de Logis im Residenzschloss Ludwigsburg wird nicht nur die Forschung zur Ausstattung in Ludwigsburg vorangetrieben: Immer wieder gelingen dabei auch Entdeckungen und Erkenntnisse, die das Neue Schloss in Stuttgart betreffen, die Hauptresidenz der württembergischen Könige. Bei einem Ortstermin im Ludwigsburger Schloss enthüllten das Team der Restauratorinnen und Restauratoren nun gemeinsam mit Dr. Patricia Peschel, der Oberkonservatorin von Schloss Ludwigsburg, eine zwei Jahrhunderte verborgende Ideenskizze und gaben damit einen außergewöhnlichen Einblick in ihre Arbeit am Großprojekt Königswohnungen.

                        

Konoltische verbergen ein Geheimnis

Die meisten Menschen, die das Schloss bei einer Führung besuchen, nehmen die zwei eindrucksvollen Konsoltische wahr, die zur Pracht im Audienzzimmer des Königs beitragen. Sie entstanden in den Jahren 1803 bis 1805 und ihre aktuelle Konservierung stellte eine besondere Hausforderung dar: Teilweise wurde sogar Lasertechnik zur Reinigung der alten Oberflächen eingesetzt. Als das Restaurierungsteam der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg die schweren Wandtische demontierte und dabei von der Wand löste, machten sie eine ungewöhnliche Entdeckung. Nach über zweihundert Jahren kamen auf dem in der Wand montierten Befestigungsbrett des Tisches zwei kleine und zunächst rätselhafte Bleistiftzeichnungen, zum Vorschein.

                     

Entwurf für einen runden Tisch mit Greifenfiguren
Eine der Handskizzen zeigt einen vogelartigen Kopf, der den Köpfen der Greifen entspricht, wie sie auch die Platten der Konsoltische des Audienzzimmers tragen. Dies legte die Spur zur Lösung des Bilderrätsels. Die genaue Ansicht der Bleistiftskizze zeigte, dass es sich um einen schnellen Entwurf für einen Tisch handelt. Eine der Skizzen zeigt das Möbel von der Seite: ein mehrfach profilierter Sockel, darauf eine sich baumartig verzweigende Stütze; unterhalb der Tischplatte ist der Kopf eines Greif zu sehen, der die Tischplatte tragen sollte. In der zweiten Zeichnung ist die dreieckige Basis des Tisches nochmals dargestellt.

                       

Ein Ideenscribble von Hofbaumeister Thouret?

Möglicherweise wurde auf diesem Brett einst ein schneller Entwurf festgehalten, der eine erste Idee verdeutlichen sollte. Gut möglich, dass dies sogar eine „Scribble“ des Architekten Nikolaus Thouret war, der auch für die Innenausstattung verantwortlich zeichnete. Das Brett wurde dann später für die Montage der Konsoltische in Ludwigsburg benutzt – so wie es war, mit Bleistiftskizze, denn hinter dem Konsoltisch würde das Brett nie zu sehen sein. Und so war es auch, bis der Konsoltisch nun, nach über zweihundert Jahren, demontiert wurde.

                   

Wiederentdeckung in den Beständen

Und tatsächlich: Genau so ein Tisch hat sich in den Beständen der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg wieder finden lassen. Auf einem dreieckigen Sockel aus schwarz bemaltem Holz steht die zentrale Stütze in Gestalt eines verzweigten goldenen Bäumchens, darauf ruht ein zylindrischer ornamentierter Holzrahmen mit einer Marmorplatte. Getragen wurden Rahmen und Platte einst von drei vergoldeten Greifen, die auf den Ecken der Sockelplatte saßen. Selbst die Greife haben sich heute noch – in Bruchstücken, sachgerecht deponiert – erhalten. Das aufwändige Stück stammt ursprünglich aus der königlichen Ausstattung des Neuen Schlosses in Stuttgart. Dem Restauratorenteam gelang inzwischen auch die Entdeckung des Gegenstücks: Es liegt demontiert und in Einzelteilen im Möbeldepot.

                           

Die Dokumente der Zeit enthalten die Details
Beide Tische waren unter König Friedrich I. von Württemberg und auch noch später unter seinem Sohn Wilhelm I. im Neuen Schloss in Stuttgart aufgestellt. Man weiß das aus dem Fremdenführer des Autors Carl Büchele aus dem Jahr 1858. Er nennt in seiner Beschreibung des Neuen Schlosses einen Tisch im blauen Marmorsaal im ersten Obergeschoß und ein Tisch im daran anschließenden gelben Kabinett: „(…) der blaue Marmorsaal führt seinen Namen von dem hellblauen Anhydrit (…) womit die Wände verkleidet sind (…) in der Mitte steht ein runder von vergoldeten Greifen getragener Tisch, dessen Platte von demselben Material wie die Wände (…). In dem anstoßenden gelben Cabinet sind die schönsten Platten von antiken gelben Marmor auf den Tischen (…).“ Von beiden Räumen haben sich historische Aufnahmen erhalten – und die beiden Tische sind deutlich zu erkennen!

                      

Grossprojekt Sanierung der Ludwigsburger Königsräume

Die Reinigung und Restaurierung der Konsoltische, bei der die Zeichnungen auftauchten, sind Teil des Großprojektes Königswohnungen in Schloss Ludwigsburg. In den nächsten zwei Jahren wird das Team der Staatlichen Schlösser und Gärten Raum um Raum im Neuen Corps de Logis die originale Situation wiederhergestellt, wie sie durch die alten Inventarbände der Königszeit minutiös überliefert sind. Dass sich dieser Originalzustand der Zeit vor 200 Jahren wiederherstellen lässt, ist ein außerordentliches Glück: Die Ausstattung der Wohnungen von Königin und König ist bis in die Details erhalten. 2020 werden sich die königlichen Räume im Ludwigsburger Schloss wieder bis in die Details so präsentieren wie zu Zeiten von Königin Charlotte Mathilde und König Friedrich I. am Beginn des 19. Jahrhunderts.

www.schloss-ludwigsburg.de

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