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Eines der grössten Barockschlösser Deutschlands
Residenzschloss Ludwigsburg

Freitag, 8. Mai 2020

Residenzschloss Ludwigsburg | Allgemeines 11. Mai 1731: Wilhelmine von Grävenitz wird aus Ludwigsburg verbannt

Der 11. Mai 1731 war der Tag, an dem sich das Glück der Wilhelmine von Grävenitz wendete. 25 Jahre lang war sie die Mätresse des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig (1676-1733). Um die Rolle „der Grävenitz“ ranken sich bis heute viele Legenden. Dass Herrscher außereheliche Liebschaften pflegten, war in Zeiten, in denen die Ehen politisch arrangiert waren, üblich. Dass eine solche Beziehung über ein Vierteljahrhundert hielt, ist eine württembergische Besonderheit. Am 11. Mai vor 289 Jahren erhielt „die Grävenitz“ den Befehl, den Ludwigsburger Hof zu verlassen.

EINE UNGEWÖHNLICHE LIEBESGESCHICHTE

Christina Wilhelmina von Grävenitz, 1685 in Mecklenburg geboren, kam 1706 an den württembergischen Hof. Herzog Eberhard Ludwig war damals schon seit fast zehn Jahren mit der badischen Prinzessin Johanna Elisabetha verheiratet. Es war der Hofmarschall des Herzogs, der mit der jungen Frau seinen Einfluss auf Eberhard Ludwig ausbauen wollte und sie zunächst in seinem Haus aufnahm. Vor allem ihre schöne Gesangsstimme soll den Herzog betört haben. Eberhard Ludwig verliebte sich leidenschaftlich – so sehr, dass er sie heiraten wollte, um sie gesellschaftlich und rechtlich für den Fall seines Todes abzusichern. Schon 1707 heiratete Eberhard Ludwig sie trotz seiner bestehenden Ehe – zur „linken Hand“.

 

DIE REGIERENDE MÄTRESSE
Am 28. Dezember 1708 verließ Wilhelmine von Grävenitz zum ersten Mal den württembergischen Hof. Der Herzog war auf Grund des Drucks von außen dazu gezwungen, die bigamistische Verbindung aufzulösen. Die herzogliche Mätresse wurde in die Verbannung geschickt: in die nahe Schweiz. Als 1710 der badische Markgraf, sein Schwiegervater, gestorben war, gelang es Eberhard Ludwig, seine Geliebte an den Hof zurückzuholen. Zunehmend übernahm sie Schlüsselpositionen am Hof – für die nächsten 20 Jahre. Als einzige Frau gehörte sie ab 1717 dem „Geheimen Kabinetts- und Konferenzministerium“ an. Dass der Reichtum der Mätresse durch die Gunst des Herzogs wuchs, machte den Ruf der „Landhofmeisterin“, so ihr offizieller Titel, im Land nicht besser. Ihr gehörte etwa ein Palais in der Ludwigsburger Marstallstraße oder gar Schloss und Herrschaft Freudental.

 

DAS ENDE DER KARRIERE

1731 starb der Erbprinz: Die Thronfolge in Württemberg war nicht mehr gesichert. Notgedrungen versöhnte sich das Herzogspaar nach der jahrelangen Trennung und der Stern der Mätresse begann zu sinken. Eberhard Ludwig setzte sich in den Kopf, dass seine Geliebte ihn verhext habe. Am 24. April erklärte er öffentlich, dass er sich von Wilhelmine von Grävenitz trennen werde und erließ am 11. Mai schließlich den Befehl, dass sie Ludwigsburg zu verlassen habe. Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn am selben Tag brach Eberhard Ludwig zu einem Staatsbesuch nach Berlin auf. Für Wilhelmine von Grävenitz war er damit persönlich nicht mehr erreichbar, womit ihr jede Gelegenheit genommen war, ihn umzustimmen. Sie verließ Ludwigsburg und zog sich auf ihren Besitz Freudental zurück. Dort wurde sie im Oktober auf Befehl von Herzog Eberhard Ludwig, festgenommen und nach Urach gebracht, wo man sie bis zum Frühjahr 1733 festhielt. Sie musste aber schließlich wieder freigelassen werden, weil sie widerrechtlich festgesetzt worden war.

 

EIN ALTERSRUHESITZ IN BERLIN

Wilhelmine von Grävenitz gelang es schließlich, der politischen Verfolgung in Württemberg zu entkommen – und sogar, für den Besitz, den sie zurückließ, eine Entschädigung zu erhalten. Ihr diplomatisches Geschick war nach wie vor groß. Das Geld ermöglichte ihr ein Leben im preußischen Berlin, bis sie im Jahr 1744 starb, elf Jahre nach Herzog Eberhard Ludwig. Ihre Zeitgenossen und die Nachwelt haben das Wirken und Leben Wilhelmines meist negativ bewertet. Eines aber ist ihr gelungen: Sie ist unvergessen – bis heute.

 

Information
Am 12. Mai öffnet das Residenzschloss Ludwigsburg, in dem Wilhelmine von Grävenitz viele Jahre lebte, wieder seine Tore.

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