Residenzschloss Ludwigsburg, Innenansicht Lackkabinett

Kostbares Zeugnis der ChinamodeDas Lackkabinett

Im Jagdpavillon, westlich des Alten Hauptbaus, ließ Herzog Eberhard Ludwig von 1714 bis 1722 drei Kabinette errichten ‒ darunter ein chinesisches Lackkabinett. Das kostbare und raffinierte Raumkunstwerk spiegelt die Vorliebe des Adels für die Chinamode und asiatisches Kunsthandwerk im Barock wider.

Residenzschloss Ludwigsburg, Wanddetail mit Affe

Wie aus Fernost: lackierte Holzvasen und exotische Szenen auf dunklem Untergrund.

CHINESISCH, JAPANISCH ODER INDIANISCH?

In den historischen Quellen trägt das Ludwigsburger Lackkabinett verschiedene Namen. Dass die Malereien asiatisch inspiriert sind, ist unverkennbar: Für den repräsentativen Prunkraum folgte Herzog Eberhard Ludwig der im 18. Jahrhundert herrschenden Chinamode. Die Figuren, Landschaften und Tiere ahmen chinesische Szenen und Motive nach, sie bilden nicht die Realität ab. Bis heute ist die Wirkung des Raumes nahezu unverändert: faszinierend exotisch.

Residenzschloss Ludwigsburg, Exotischer Vogel mit Figur

Exotische Malereien und kunstvoll gearbeitete Schnitzereien im chinesischen Stil.

SCHWARZ-GOLDENE FASZINATION

Der Schöpfer der Lackarbeiten ist der Nürnberger Maler und Architekt Johann Jakob Sänger. Er beherrschte die „feuerfeste Lacktechnik für Tische, Caffeezeug, Schahlen, Toiletten [und] Cabinette“. Er erlernte sie auf Reisen und mit Hilfe von Stichvorlagen. Goldene Zierleisten und rote Rahmenfelder fassen die Malereien ein. Eine Riesenvase aus chinesischem Porzellan der Kang-Hsi-Dynastie (1662‒1722), Alabasterfiguren und lackierte Holzvasen verstärken den fernöstlichen Charakter des Raumes.

Residenzschloss Ludwigsburg, Allegorische Figuren

In orientalischer und indianischer Tracht bringen allegorische Figuren Waren dar.

EXOTIK AN DECKEN UND BÖDEN

Die Szene über der Tür und der Geheimtür an der Nordwand zeigt zwei Figuren, die einer Dritten goldene Schalen mit Waren aus ihren Ländern anbieten. Die Figuren tragen orientalisch und indianisch anmutende Tracht. Als „indianisch“ ist bezeichnete man im Barock asiatisch inspirierte Schwarzlackarbeiten. Der kunstvoll gearbeitete Parkettboden ist original erhalten: Der Kirchheimer Kabinett-Ebenist Johann Jakob Mayer fertigte ihn um 1715.

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